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Nachrichten

BRIEF FEBRUAR 2021







Foto: Torsten Hemke







Liebe Freunde und Freundinnen unseres Frauenbundes!

Ja, nun ist schon wieder die Zeit, in der eigentlich in Mainz nur gefeiert wird.
So wie auf dem Bild sah es in anderen Jahren aus!

Ich selbst komme ja aus Nordhessen und in meiner Kindheit blickte das evangelische Nordhessen mit einer Mischung aus Bewunderung und Grausen auf das Fastnachtstreiben in den rheinischen Hochburgen. Und auch hier in Mainz war es offenbar nicht ganz selbstverständlich, dass evangelische Jugendliche mitfeierten. Jedenfalls fragten mich in meiner ersten Gemeinde (Johanneskirche) einige meiner Konfirmanden, ob sie denn in den Fastnachtstagen auch draußen dabei sein dürften!

So steht es auch in dem alten Meyer´s Konversationslexikon: "Fastnacht (Fastenabend), der Vorbereitungstag auf die Fasten vor Ostern
... Schon den alten Christen war es erlaubt, in dieser Zeit sich auf anständige Weise zu ergötzen, namentlich veranstaltete man heitere Gastmähler, wobei alte Feindschaften ausgesöhnt wurden. Erst später, als das 40-tägige Fasten mit unziemlicher Strenge eingeschärft und gehalten wurde, kam die Sitte auf, die Fastnacht mit der größten Ausgelassenheit und Ausschweifung, mit Gelagen ..., Tänzen, Possen Maskeraden und dergl. zu begehen, um sich so für die folgende Entbehrungszeit um Voraus schadlos zu halten ... Selbst die nicht fastenden Protestanten haben Manches davon beibehalten, weil auch bei ihnen die dem Andenken an Jesu Leiden und Sterben geweihte Zeit vor Ostern eine ernste ist und früher wenigstens öffentliche Lustbarkeiten durchaus verboten waren."

Soweit der Artikel aus dem Jahr 1857!

Aber das hat sich mit den Jahren doch sehr geändert. Gerade hier in Mainz ist diese Fastnacht einfach eine Zeit, in der normalerweise Menschen fröhlich und unbeschwert feiern. Und sie hat auch Hoffnung und so etwas wie trotzigen Mut vermittelt in den Jahren nach dem Krieg. Natürlich gibt es auch Negatives, aber wo gibt es das nicht! Und mir geht es jedenfalls so, dass ich diese Unbeschwertheit in diesem Jahr etwas vermisse.

Damit aber die Fröhlichkeit doch ihren Platz bekommt, seien hier noch zwei Gedichte von Goethe und Hüsch angefügt.
Zuerst von >Hüsch:

Herr, mein Gebieter.
Sieh mich doch einmal an.
Ich lauf als Narr herum.
Oft bin ich in der Zeit ein Tölpel.
Und ohne dich bin ich ein hilfloses Bündel.
Doch heut bin ich mit roter Nase,
roten Haaren und Glocken,
Trommeln, Pfeifen und Geschell
dein ewiger Phantast voll Lustigkeit und Glücksgefühl.
Dein Aschenkreuzritter,
dein Pusteblumenfreund.
Ich Komiker von deiner Gnade
bin voller Fehler.
Du kennst sie alle.
Sei mir gnädig.

Hanns Dieter Hüsch, Uwe Seidel: Ich stehe unter Gottes Schutz. Psalmen für Alletage. Düsseldorf:tvd-Verlag, 201614.

Goethes Gedicht ist zwar an das "Carnevals-Comite" in Köln gerichtet, ist aber durchaus auch für Mainzer lesbar!

So seien Sie alle ganz herzlich gegrüßt – auch ohne "3-fach donnerndes Helau", aber mit den besten Wünschen für Gesundheit und Gottes Segen.

Ihre

Karin Kiworr und Annelen Ottermann


JAHRESLOSUNG 2021

Bild: Stefanie Bahlinger

Liebe Freundinnen, liebe Freunde unseres Frauenbundes!

In den vergangenen Jahren fand unsere erste Zusammenkunft des Frauenbundes im
Neuen Jahr immer Mitte Januar statt und Thema war die jeweilige neue
Jahreslosung, die – anders als die täglichen "Herrnhuter Losungen" -
von einem ökumenischen Gremium ausgewählt wird. Nun können wir in diesem Jahr
nicht zusammen sein, aber die Jahreslosung soll doch im Mittelpunkt dieses 1. Briefes
im Neuen Jahr stehen. Sie findet sich im Lukasevangelium, im 6. Kapitel, Vers 36:
"Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist."

"Barmherzig" sein – ein heute nicht mehr so häufig gebrauchtes Wort. Und es hat,
wenn es denn benutzt wird, einen eher negativen Beigeschmack: Wer möchte schon
auf Barmherzigkeit angewiesen sein! Aber die Barmherzigkeit spielt im Judentum,
im Christentum und im Islam eine bedeutende Rolle. Sie ist eine Kennzeichnung
Gottes, der als der Barmherzige geglaubt wird. Es ist sinnvoll, hier einmal auf die
sprachlichen Ursprüngen dieses Begriffes zu schauen:

Im Hebräischen ist es der Plural von rächäm: rachamim, im Griechischen im Lukasvers
ein etwas selten gebrauchtes Wort: oiktirmon, im lateinischen misericordia.
Das Lateinische im am einfachsten zu übersetzen: "ein Herz für die Armen haben."
Und so haben zahlreiche Bilder der Jahreslosung auch ein Herz dargestellt. Im
Griechischen bedeutet es " Mitleid haben" oder "barmherzig sein". Und schillernd ist
dieser Begriff im Hebräischen: Er kann "Mutterleib" (Singular) bedeuten, "Eingeweide"
als Sitz des tiefsten Mitgefühls, und dann eben "Erbarmen" und "Barmherzigkeit".

Bleiben wir einmal die dem hebräischen rachamim. Da ist Barmherzigkeit oder
Erbarmen tatsächlich eine Wesensäußerung Gottes, die seinem Innersten entspringt,
die eine Geborgenheit schenken will, wie sie ein ungeborenes Kind im Mutterleib
erfährt.

Das Bild, das ich ausgewählt habe, lässt diese Geborgenheit ahnen. Das Kind ist
umfangen von einer Hülle, wie eben ein Embryo im Mutterleib, aber es ist bereits
eingehüllt in ein weißes Tuch, auf dem das Kreuzeszeichen sichtbar ist. Es ruht auf
einem roten Untergrund, der sich in Orangetöne wandelt und nach oben hin in weiße
Linien auflöst. Weiß – die Farbe Jesu Christi, Orange, die Farbe des Heiligen Geistes,
Rot, die Farbe der Kirche. Gemalt ist das Bild auf einfachem Sackleinen. Gebrochene
Linien durchziehen das Bild, doch die weißen werden zu einer Art gotischem
Spitzbogen zusammengeführt.

Ich denke, damit hat die Künstlerin Stefanie Bahlinger versucht, das Wesen der
Göttlichen Barmherzigkeit anzudeuten: sie ist von einer ungeheuren Spannung erfüllt:
Zerrissene Linien, einfachstes Leinen auf der einen Seite, tiefste Geborgenheit auf
der anderen Seite. In diesem Kind begegnen wir ihr, in diesem Kind in der Krippe, das
wir an Weihnachten gefeiert haben. Es kommt und erlebt die zerrissenen Linien
unserer Welt. Es erlebt die äußere und innere Armut unserer Welt und ist zugleich
zutiefst geborgen in der göttlichen Welt und schenkt Geborgenheit.
Im Kreuz liegt beides: das ungeschönte Leid und seine Heilung. Und so kann das Kind
helfen, dass die zerrissenen Linien sich zusammenfinden in Bögen, die nach oben
streben.

Barmherzigkeit Gottes: sie will für jeden von uns erfahrbar werden in der Begegnung
mit ihm. Sie will uns umhüllen mit einer Geborgenheit, aus der uns nichts reißen kann,
kein persönliches schweres Geschick, kein Coronavirus, nicht all das in der Welt, das
uns mit tiefer Sorge erfüllen mag. Sie will uns die Augen und die Herzen öffnen, wenn
wir vom Kind in der Krippe kommen, Spuren dieser Barmherzigkeit auch in unserem
Alltag wahrzunehmen.

Aber sie will uns auch mit neuem Mut erfüllen: "seid barmherzig", so beginnt ja die
Jahreslosung. Sie will uns barmherzig werden lassen, auch mit uns selbst. Aber dann
will sie uns auch aufbrechen lassen zum Menschen neben mir, zur Welt in der ich lebe.
Sie will uns mit Phantasie und Tatkraft erfüllen, die Not anderer zu sehen. Und dieses
eigene "Barmherzig-Werden" , das kann nur auf dem Boden sich entfalten, der
genährt ist von der Barmherzigkeit Gottes.

Ich glaube, in diesem vergangenen letzten schweren Jahr haben wir bereits viel
erfahren von solch tätiger Barmherzigkeit. Wie mit so viel Phantasie überlegt wurde,
wie denen geholfen werden konnte, die plötzlich auf Hilfe angewiesen waren. Wie in
vielen Berufen neue Wege des Miteinanders gesucht wurden. Wie Gemeinden mit
großem Einsatz versucht haben, auf bisher noch nie erprobten Wegen zu verkündigen
und Begegnungen untereinander zu ermöglichen - wenn auch meist auf virtuelle Weise.
Wie auch Humor und Fröhlichkeit immer wieder dunklere Stunden erhellt haben – wie
viele unvergessliche Videos sind in dieser Zeit verschickt worden!

Ich glaube, dieses vergangene Jahr hat uns einmal innehalten lassen, dass wir uns
darauf besinnen konnten, was wichtig ist im Leben. Und es hat uns vielleicht spüren
lassen, wie die Barmherzigkeit Gottes in seiner Kirche lebendig sein will, wie sein
Geist uns Freude und Mut schenken will.

So möge Gott uns barmherzig werden lassen in diesem neuen Jahr.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2021.

Ganz herzliche Grüße!
Ihre Annelen Ottermann und Karin Kiworr


Vorsitzende: Karin Kiworr, Mühlweg 71, 55128 Mainz
Tel.: 06131/33 11 45


120 Jahre Deutscher Evangelischer Frauenbund e. V. - eine kleine Skizze

Der Bundesverband des Deutschen Evangelischen Frauenbunds e. V. (DEF) hat zu seinem 120-jährigen Jubiläum nach Hannover vom 18. bis 20. Oktober 2019 eingeladen – und alle kamen.

Tagungsort ist das evangelische Stefansstift mit hellen Räumen und Übernachtungsmöglichkeiten, guter Verpflegung und vielen Orten für Begegnungen außerhalb des Programms.

Am Freitagnachmittag lässt die anberaumte Mitgliederversammlung aktuelle Geschehnisse im Bundesverband und den Ortsverbänden sichtbar werden. Nach dem Verlesen von Grußworten: Berichte mit Aussprache. Dietlinde Kunad (Bundesvorsitzende), Irmtraud Pütter (Demografischer Wandel), Hannelore Herbel (AEH Hauswirtschaft), Sigrid Lewe-Esch (AEH Verbraucherschutz) und Luitgard Herrmann (Medien) berichten und diskutieren höchst engagiert mit allen Mitgliedern. Weiterer zentraler Punkt ist die vorgelegte Satzungsänderung des Bundesverbands zu § 2. Von besonderem Interesse ist der Tagesordnungspunkt Blitzlichter aus dem Landes-Vorstandsrat sowie den Ortsverbänden und Anschlussvereinen.

Die umfangreiche Tagesordnung verlangt gemeinsames zügiges Arbeiten – aber wer wäre nicht für thematisch interessante und informative, anregende und humorvolle Beiträge aufgeschlossen. So beschließen alle Teilnehmerinnen den Nachmittag mit einem Brainstorming zu den Themen Die Zukunft beginnt jetzt... Wie kann Verbandsarbeit gelingen? und Der DEF – Das sind wir! Mut zur Übernahme von Verantwortung sowie einer Andacht in der Kirche des Stefansstifts.

Der Samstag läutet den eigentlichen Festakt ein und beginnt mit einem eindrucksvollen musikalisch umrahmten Dankgottesdienst in der Marktkirche von Hannover – gestaltet von der Bundesvorsitzenden Pastorin Hella Mahler und der Superintendentin Dr. Petra Bahr. Auch der anschließende Festempfang im alten Rathaus beeindruckt durch viele Grußworte, denen leider weitgehend stehend zuzuhören ist. So etwa imponiert neben einer Vertreterin des Bundesfamilienministeriums Franz Müntefering mit seiner kleinen zupackenden Rede.

An diesen Vormittag schließt sich der Festakt im Stefansstift an. Zunächst fordern zwei bemerkenswerte Vorträge die Aufmerksamkeit der Zuhörenden. Cornelia Wenzel referiert über die Archivierung des Aktenbestands des Bundesverbands im Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. Frauen gestalten ein Archiv – Einblicke in 120 Jahre Deutscher Evangelischer Frauenbund. Dank der Weitsicht der jeweiligen Bundesvorsitzenden und eines überraschenderweise existierenden Akten- bzw. Archivierungsplans sind 120 Jahre DEF transparent und gut nachvollziehbar. So seien z. B. alte Briefe und Urkunden, Festschriften, Bau- und Finanzpläne einzusehen und jederzeit zu besichtigen.

Aber Archivarbeit ist das eine, Leitungsaufgabe das andere. Aufschlussreich und wissenswert ist daher im nächsten Vortrag die Sichtbarmachung aller DEF-Vorsitzenden. Ulrike Bösch, Inge Gehlert, Halgard Kuhn und Dietlinde Kunad lassen diese Frauen sprechen: Frauen übernehmen Verantwortung – die DEF-Vorsitzenden im Wandel der Zeit. Mit Akribie und Emphase vorgetragen werden die Persönlichkeiten dieser Frauen nahezu lebendig. Vieles von dem, was bewegt wurde, wird angerissen und deren Arbeitsumfang lässt sich erahnen.

Vor dem festlichen Abendessen am Samstag gibt die aufschlussreiche Diskussion Frauen gestalten Demokratie – Demokratie beginnt am Küchentisch zwischen der Bundesvorsitzenden und Lisi Maier (Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit), Lydia Klein (Verbraucherzentrale Bayern) und Katharina Landgraf (MdB) Einblicke in Leben und Werdegang dieser Frauen in Ost und West. Sie berichten über Herausforderungen, aber auch über ein sie erfüllendes und beglückendes Familien- und Verbandsleben.

Der Sonntagvormittag und ein Worldcafé harmonieren wunderbar - und so bildet der ständig wechselnde intensive Austausch zum Thema Frauen setzen sich ein... den Abschluss der gelungenen Jubiläumstagung im Jahr 2019.

Elke Grün, DEF Mainz

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie unter:

http://www.def-bundesverband.de/ueber-uns/wer-sind-wir/



EHRUNGEN UND AUSZEICHNUNGEN DER PATIENTENBÜCHEREI

Nominierung Deutscher Engagementpreis















BRÜCKENPREIS 2016, verliehen von der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz; zugesprochen für bürgerschaftliches Engagement. Eines der Kriterien für die auf uns gefallene Wahl war die "Nachhaltigkeit", d. h. die Tatsache, dass durch die ehrenamtliche Arbeit eines relativ kleinen Vereins 35 Jahre lang vielfältige Brücken gebaut worden sind.



Fotos Brückenpreis: Peter Pulkowski



Patientenbücherei an der Universitätsmedizin,
Langenbeckstr. 1, Bau 206, 55131 Mainz, Tel.: 17-2679
Homepage: www.patientenbuecherei.de E-Mail: patientenbuecherei@unimedizin-mainz.de













Deutscher Evangelischer Frauenbund Ortsverband Mainz e. V.
– Sitz Mainz – Vereinsregister AG Mainz VR 40162
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