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OSTERBRIEF

Ostern steht vor der Tür! Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber für mich selbst ist das Osterfest das wichtigste kirchliche Fest überhaupt. Und zur Zeit sieht es so aus, als könnten die Gottesdienste in der heiligen Woche wieder nicht so stattfinden, wie wir es gewohnt sind.

Deswegen möchte ich versuchen, Ihnen auf diesem Wege die Feiern dieser Woche etwas nahe zu bringen und auch etwas zurückblicken auf die Entwicklung unserer Osterfeiern, bzw. der Feiern der heiligen Woche. Vielleicht erinnern Sie sich: Gerade im Begehen der Tage von Karfreitag und Ostern zeigten sich bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts konfessionelle Unterschiede, ja, Streitigkeiten. Ein evangelischer Christ ging an Karfreitag schwarzgekleidet zum Abendmahl - für viele das einzige Mal im Jahr, der Gottesdienst war einer am besten besuchten Gottesdienste. War für den evangelischen Raum der Karfreitag der höchste Feiertag überhaupt, spielte er in katholischen Gebieten eine sehr viel geringere Rolle. Dort war es das Osterfest, das im Mittelpunkt stand. Es existieren Geschichten, dass in katholischen Dörfern am Karfreitag Mist ausgefahren wurde, um die evangelischen Christen zu ärgern, die ihrerseits an Ostern versuchten, katholische Christen zu provozieren.

Das hat sich – Gott sei Dank – grundlegend geändert. In den letzten 70 Jahren haben Gründonnerstag, Karfreitag, Ostern in evangelischen Gemeinden eine tiefgreifende Wandlung erfahren. Es wurde versucht, einen reichen liturgischen Schatz lebendig werden zu lassen, z. T. auch ganz neue Wege zu gehen.

Beginnen wir mit dem Gründonnertag, der Feier des letzten Mahles Jesu mit seinen Jüngern. Viele Traditionen sind an diesem Abend aufgenommen worden: da finden sich Gottesdienste mit Elementen des Passahfestes (Bitterkräuter, ungesäuertes Brot; Exodus 12), andere mit einem Agapemahl (etwa mit grüner Soße und anderen Speisen, Apg. 2,46 ), mit der Fußwaschung (in evang. Gemeinden selten; Joh. 13, 1ff). Immer aber ist die Feier des Hl. Abendmahls Mittelpunkt und in einigen Gemeinde mündet der Gottesdienst in eine Nachtwache, ausgehend von der Bitte Jesu in Gethsemane: "Bleibet hier und wachet mit mir"(Matth. 26, 38). In einer mir unvergesslichen Gründonnerstag–Nacht habe ich eine solche Nachtwache erlebt: bei Vollmond und einem klaren Himmel. Nach dem Gottesdienst werden die Altarkerzen und die Osterkerze gelöscht, die Orgel und die Glocken schweigen bis Ostern.

Dann der Karfreitag: Es ist ein stiller Gottesdienst, in vielen Gemeinden ist das Kreuz mit einem schwarzen Tuch verhüllt, der Blumenschmuck fehlt. In der Liturgie fehlen alle jubelnden Töne. Zur Todesstunde Jesu werden Andachten gehalten, in denen meist die 7 Worte Jesu am Kreuz verlesen werden. Es werden Passionslieder wie "O Haupt voll Blut und Wunden" gesungen, die neueren haben eine Wendung von der allein auf menschliche Schuld fokussierten Botschaft hin zu Gedanken an das Keimen neuen Lebens erfahren ("Korn, das in die Erde", "Holz auf Jesu Schulter").

Das Osterfest: Es beginnt entweder am späten Abend des Karsamstag oder ganz früh am Ostersonntag. Seit einigen Jahrzehnten hat sich die Feier der Osternacht zum Gottesdienst mit der reichsten liturgischen Fülle entwickelt, die so bis dahin im evangelischen Raum unbekannt war. Sie beginnt mit dem Entzünden des Osterfeuers. Ein großer Holzstoß wurde vorher aufgebaut, das Feuer dann entzündet. Die Gewalt des Feuers ist zu spüren, wenn die Hitze sich ausbreitet und die Funken fliegen. Am Feuer wird die Osterkerze angezündet, die dann unter dem Ruf "Christus, das Licht der Welt" in den dunklen Kirchenraum getragen wird. Am Kircheneingang werden den Gemeindegliedern Kerzen überreicht, die ebenfalls von der Osterkerze ihr Licht empfangen.
Es folgen die biblischen Lesungen (3 - 12 Lesungen), beginnend mit der Schöpfungsgeschichte. Sie sollen die Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen verkündigen. Es ist eine unbeschreibliche Atmosphäre, wenn in der nur von Kerzenlicht erleuchteten Kirche diese Jahrtausende umspannenden Lesungen vernommen werden.
Das "Exultet", ein uralter Lobgesang, der das universelle Heilshandeln Gottes aufzeigt, wird von einem Sänger vorgetragen. Taufe mit Taufgedächtnis schließen sich an. Ostern war in der frühen Kirche der Tauftag überhaupt.
Und nun wird das Osterevangelium verlesen, die Kirche wird hell, der Altar geschmückt, die Orgel intoniert das von der Gemeinde gesungene Osterlied.
Mit der Feier des Hl. Abendmahls schließt der Gottesdienst.
In vielen Gemeinden hat sich seit einigen Jahren das gemeinsame Osterfrühstück etabliert, eine sehr schöne Entwicklung: nach dem langen und ungeheuer intensiven Gottesdienst leibliche Stärkung in festlichem Rahmen und Gemeinschaft.

Es ist also eine ganz reiche Tradition, aus der wir schöpfen können. Die Wortlastigkeit evangelischer Gottesdienste wird hier durch Elemente durchbrochen, die mit allen Sinnen wahrgenommen werden können: Dunkel und Licht, Stille und österlicher Jubel, Trauer und Freude, Fasten und Erleben gemeinsamen Essens und Trinkens: alles Symbole für Leben aus dem Tod.

Lassen wir auch in diesem Jahr trotz aller Einschränkungen uns anstecken von der Osterfreude der Christen, die 2000 Jahre immer neu Menschen mit Mut und Freude erfüllte.

Wir grüßen Sie mit dem Ostergruß und wünschen gesegnete Ostern!

"Der Herr ist auferstanden!" "Er ist wahrhaftig auferstanden!"

Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann


Vorsitzende: Karin Kiworr, Mühlweg 71, 55128 Mainz
Tel.: 06131/33 11 45



BRIEF MÄRZ 2021




Reise durchs Gesangbuch



Liebe Freundinnen und Freunde unseres Frauenbundes!

Jetzt ist es ein ganzes Jahr her, seit wir uns zum letzten Mal gesehen haben. Am 9. März 2020 fand unsere letzte Veranstaltung oben auf dem Lerchenberg in der gewohnten Form statt mit Kaffee und Kuchen und einem Vortrag mit Aussprache. Keine von uns hätte wohl damals sich auch nur entfernt vorstellen können, was diese Pandemie für uns alle bedeuten würde. In dieser Woche vom 9.-16. März 2020 trafen wir uns im Frauenbund, ich hatte eine letzte Chorprobe, die Schulen waren noch geöffnet. Am Sonntag damals hätte ich einen Gottesdienst halten sollen, der am
Freitag davor abgesagt wurde. Und ab Montag begann der 1. Lockdown! Und noch immer wissen wir nicht, wann sich das ändern wird.

Aber bei allen Einschränkungen empfinde ich es nach wie vor erstaunlich, mit wie viel Phantasie Ideen entwickelt werden, die neue Möglichkeiten erschließen auf so vielen Gebieten. Und so spricht auch der Leitspruch für die Passionszeit, in der wir uns ja befinden, in diesem Jahr nicht von einem Verzicht, sondern von einer Befreiung. "Sieben Wochen ohne Blockaden" heißt er. Er will uns einladen dazu, nicht auf das Negative zu schauen, sondern auf das, was möglich ist. Er will uns aufmerksam machen auf die Bereiche, in denen wir uns selbst blockieren. Und ich denke, jeder und jede von uns kennt im eigenen Leben solche Blockaden, die uns in Mauern einschließen, die wir selbst aufbauen und durch die wir uns von gelingendem Leben trennen. Passion ist ja nicht nur ein Gedenken an die Leidenszeit Jesu, sondern will immer in das eigene Leben hineinwirken. Und Passion Christi ist eine Befreiungsgeschichte, Befreiung von den zerstörerischen Mächten der Angst und des Zweifels.

Und auf diesem Weg kann die "Reise durchs Gesangbuch" von Dr. Annelen Ottermann Anregung und Hilfe sein, in der wir den fröhlichen und von tiefstem Vertrauen geprägten Glauben Paul Gerhardts besser kennen lernen.

Paul Gerhardt, der Sänger des fröhlichen Glaubens
Unsere Reise durchs Gesangbuch führt uns zu Paul Gerhardt. Damit knüpfen wir an den vorherigen Beitrag dieser Serie an, in dem wir Jochen Klepper als ihm ebenbürtig genannt hatten. Klepper, den Psalmisten unserer Tage, hatten Paul Gerhardts Lieder im Leben und sogar bis in seine letzte Todesstunde begleitet.
In der Literaturgeschichte lassen sich viele Dichterinnen und Dichter finden, die sich mit Paul Gerhardt auf ganz unterschiedliche Art und Weise beschäftigt haben, die aber allesamt von seiner geistlichen Lyrik beeindruckt waren: Zu nennen sind etwa Christian Fürchtegott Gellert, Gottfried August Bürger, Matthias Claudius, Friedrich Hebbel, Joseph Freiherr von Eichendorff, Theodor Fontane, Heinrich und Thomas Mann, Hermann Hesse, Gottfried Benn, Albrecht Goes, Stephan Hermlin, Gabriele Wohmann, Günter Grass und Eva Zeller.
Die musikalische Vertonung der meisten Gerhardt-Texte leistete Johann Crüger, der Kantor an der Berliner Nikolaikirche, für dessen "Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen" Gerhardt 1653 in der 2. Auflage 83 Lieder beisteuerte. Crügers Nachfolger Johann Georg Ebeling schuf ebenfalls Melodien und Chorsätze zu Gerhardts Dichtungen. Ganz wichtig für die Bekanntheit Paul Gerhardts wurde Johann Sebastian Bach, in dessen Kantaten, Oratorien und Passionen sich mehr als 30 Chorsätze zu seinen Liedern finden.
Und auch wir selbst sind geprägt von Paul Gerhardt-Liedern, haben viele insgesamt oder in Zitaten und einzelnen Formulierungen im Ohr. Dass wir aber oftmals gar nicht wissen, wer diese Zeilen gedichtet hat, ist symptomatisch: Paul Gerhardt verschwindet hinter seinen Texten, obwohl er doch dazu gehört! Unsere Reise streift deshalb auch das Leben dieses Barockdichters, der vor mehr als 400 Jahren in Gräfenhainichen geboren wurde und nach dem Besuch der elitären Fürstenschule in Grimma Theologie im nahen Wittenberg studiert hatte. Die von Kriegen, Hungersnöten, Seuchen und Vertreibungen geprägte Zeit war unruhig, ihre Strukturen in Auflösung, ihre Menschen verunsichert. Nicht allein die 30 Kriegsjahre und all ihre Folgen erlebte Gerhardt mit, er musste auch von klein auf persönliche Schicksalsschläge in der engsten Familie hinnehmen, den Tod beider Eltern und von Geschwistern und dann später als Familienvater in dichter Folge das sehr frühe Sterben von vier seiner fünf Kinder.
Auch konfessionell waren die Zeiten instabil und krisengeschüttelt. Paul Gerhardt selbst wurde Opfer der konfessionellen Wechsel und Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Reformierten. Nach seiner ersten Pfarrstelle in brandenburgischen Mittenwalde berief ihn der Berliner Magistrat auf die zweite Diakonatsstelle an der Nikolaikirche zu Berlin. Dort wurde er 1667, im Todesjahr seiner Frau, des Amtes enthoben, weil er den Eid auf das Toleranzedikt Friedrich Wilhelms, des Großen Kurfürsten, verweigerte, das den lutherischen Geistlichen politische Stellungnahmen und polemische Äußerungen gegen die Reformierten untersagte. Nach 10 Jahren wechselte der lutherische Prediger daraufhin in den Spreewald nach Lübben, wo er 1676 starb. Die damalige Nikolaikirche, in der er begraben wurde, trägt seit 1930 seinen Namen.
Uns mutet es heute fast unverständlich an, wie Paul Gerhardt unter so schwierigen Umständen zum Sänger des fröhlichen Glaubens werden und seine christliche Überzeugung in die Worte kleiden konnte, die ihn zu einem der größten Kirchenlieddichter machen sollten.
Das Leitseil seines Lebens war das Vertrauen auf die Treue Gottes, und davon legen seine Dichtungen Zeugnis ab. Es sind 139 deutschsprachige und 15 lateinische Texte Liedtexte, die von Paul Gerhardt überliefert wurden. Wer sie in ihrer Gesamtheit betrachtet, erkennt, dass der Dichter nichts ausblendete, nichts beschönigte, sondern sich dem Leben stellte, den ganzen Menschen, die ganze Schöpfung, Sonne, Mond und Sterne, Alltage und Festtage, Jahreszeiten, Schwellensituationen des Lebens, Ehe und Familie, Helles und Dunkles, Freudiges und Tragisches, Kriege, Krankheiten, Hungersnöte, Seuchen, Schicksalsschläge, menschliche Laster und menschliche Leistungen in den Blick nahm und zum Gegenstand seiner Dichtung machte.
Gerhardt beherrschte die Kunst der barocken Versdichtung so virtuos, dass sie nicht gekünstelt wirkte. Dabei blieb seine Sprache in ihrer Klarheit und Schlichtheit bewusst volks- und lebensnah und den Menschen des 17. Jahrhunderts unmittelbar zugänglich.
Auch heute noch erreicht und berührt uns seine Dichtung und besitzt eine starke Beharrungskraft – trotz mancher sperriger Formulierungen und rätselhaft-befremdlich wirkender Bilder und Vorstellungen, die unverkennbar aus einer vergangenen Zeit stammen. Mehr noch: Seine Lieder und Gedichte gehören neben Grimms Märchen und noch vor Luthers Bibelübersetzung zu den bekanntesten deutschsprachigen Texten überhaupt. Das ist das Faszinierende an Paul Gerhardt, dass er es vermocht hat, mit seinen Texten den Abstand von 400 Jahren zu überbrücken. Aus einer konfessionell aufgeladenen und unbefriedeten Epoche kommend, schaffte er es über seine Lieder, Brücken zwischen den Konfessionen zu bauen. Seine Texte fanden Eingang in die Gesangbücher der reformierten und freikirchlichen Gemeinden. Wie ein Blick in das aktuelle "Gotteslob", das Gesangbuch unserer katholischen Schwestern und Brüder, zeigt, wurden 8 Lieder des Dichters aufgenommen, eines davon findet sich im Mainzer Diözesanteil. (GL 81, 101, 256, 289, 369, 403, 418, 814) Auch sprachliche Grenzen half er zu überschreiten, wurden doch Paul Gerhardt-Lieder in viele europäische, ja sogar afrikanische und asiatische Sprachen übersetzt.
Schlagen wir nun unser Evangelisches Gesangbuch auf: Was hat darin Eingang gefunden, was ist geblieben? Ein Blick ins Register führt uns zu 26 Liedern von Paul Gerhardt, und diese starke Präsenz ist ganz wesentlich für die Breitenwirkung und Bekanntheit seines Schaffens verantwortlich.
Die 26 Nummern sind auf fast alle Kapitel des Gesangbuchs verteilt: das Kirchenjahr mit Advent (Wie soll ich dich empfangen), Weihnachten (Fröhlich soll mein Herze springen; Ich steh an deiner Krippen hier; Kommt uns lasst uns Christum ehren), der Jahreswende (Nun lasst uns gehn und treten), Passion (Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld; O Welt, sieh hier dein Leben; O Haupt voll Blut und Wunden), Ostern (Auf, auf, mein Herz mit Freuden) und Pfingsten (Zieh ein zu deinen Toren); der Lauf des Tages vom Morgen zum Abend (Wach auf, mein Herz und singe; Lobet den Herren, alle, die ihn ehren; Die güldne Sonne; Nun ruhen alle Wälder), Natur und Jahreszeiten (Geh aus, mein Herz und suche Freud), Arbeit (Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun), Sterben und Ewiges Leben (Ich bin ein Gast auf Erden), Angst und Vertrauen (Befiehl du deine Wege; Warum sollt ich mich denn grämen?; Gib dich zufrieden und sei stille), Rechtfertigung und Zuversicht (Ist Gott für mich, so trete), Psalmen und Lobgesänge (Herr, der du vormals hast dein Land; Du meine Seele, singe), Loben und Danken (Nun danket all und bringet Ehr; Ich sing dir mit Herz und Mund; Sollt ich meinem Gott nicht singen?).
So viele dieser Liednummern sind uns mit einzelnen Strophen im Schlaf vertraut; sie sind in Text und Melodie in unserem spirituellen Vorratslager und musikalischen Gedächtnis abgespeichert – ein mobiler Liederschatz, jederzeit abrufbar, wenn wir ihn brauchen. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee, dass man ihn früher im Konfirmandenunterricht auswendig lernen ließ??
Es würde den Platz sprengen, wollten wir ausführlich auf alle äußerst strophenreichen Liedtexte eingehen. Stellvertretend sei deshalb hier nur auf drei Nummern hingewiesen:
Da ist das Lied "Ich singe dir mit Herz und Mund", das Gerhardts Lebensüberzeugung und auch seinen selbst gewählten Auftrag verdeutlicht: von Gottes Liebe zu singen, egal, wie das Leben gerade spielt, singen als Dank und Lob, singen als Trost und Seelsorge, singen gegen die Angst. Oder "Fröhlich soll mein Herze springen", das herrliche Weihnachtslied, dessen Metrum durch die von Gerhardt eingesetzten Hebungen (1 x 4, 2 x 2, 1 x 3 betonte Silben pro Zeile) die Worte ins Schwingen versetzt, sie hüpfen lässt. Und dann natürlich "Befiehl du deine Wege", ein dichterisches Kunstwerk, bei dem die Anfangsworte der zwölf Strophen als so genanntes Akrostichon den Psalmvers 37,5 bilden: "Befiehl dem Herren dein’ Weg und hoff auf ihn, er wird’s wohl machen". Gerhardt setzt hier die für seine Zeitgenossen und sich selbst bestimmende Spannung des Christen zwischen menschlichem Unbehaustsein und Beheimatung bei Gott lyrisch um und legt mit diesem Weg- und Vertrauenslied ein uns bis heute berührendes Zeugnis als Wanderer im Glauben ab.
Schaffen wir es, zumal in diesem uns so viel abverlangenden Jahr, auch nur ein Quentchen davon zu übernehmen?

Lassen wir uns also anstecken von diesem Glauben! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Passionszeit und ein zuversichtliches Hingehen auf Ostern!

Ihre Karin Kiworr und Annelen Ottermann



JAHRESLOSUNG 2021

Bild: Stefanie Bahlinger

Liebe Freundinnen, liebe Freunde unseres Frauenbundes!

In den vergangenen Jahren fand unsere erste Zusammenkunft des Frauenbundes im
Neuen Jahr immer Mitte Januar statt und Thema war die jeweilige neue
Jahreslosung, die – anders als die täglichen "Herrnhuter Losungen" -
von einem ökumenischen Gremium ausgewählt wird. Nun können wir in diesem Jahr
nicht zusammen sein, aber die Jahreslosung soll doch im Mittelpunkt dieses 1. Briefes
im Neuen Jahr stehen. Sie findet sich im Lukasevangelium, im 6. Kapitel, Vers 36:
"Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist."

"Barmherzig" sein – ein heute nicht mehr so häufig gebrauchtes Wort. Und es hat,
wenn es denn benutzt wird, einen eher negativen Beigeschmack: Wer möchte schon
auf Barmherzigkeit angewiesen sein! Aber die Barmherzigkeit spielt im Judentum,
im Christentum und im Islam eine bedeutende Rolle. Sie ist eine Kennzeichnung
Gottes, der als der Barmherzige geglaubt wird. Es ist sinnvoll, hier einmal auf die
sprachlichen Ursprüngen dieses Begriffes zu schauen:

Im Hebräischen ist es der Plural von rächäm: rachamim, im Griechischen im Lukasvers
ein etwas selten gebrauchtes Wort: oiktirmon, im lateinischen misericordia.
Das Lateinische im am einfachsten zu übersetzen: "ein Herz für die Armen haben."
Und so haben zahlreiche Bilder der Jahreslosung auch ein Herz dargestellt. Im
Griechischen bedeutet es " Mitleid haben" oder "barmherzig sein". Und schillernd ist
dieser Begriff im Hebräischen: Er kann "Mutterleib" (Singular) bedeuten, "Eingeweide"
als Sitz des tiefsten Mitgefühls, und dann eben "Erbarmen" und "Barmherzigkeit".

Bleiben wir einmal die dem hebräischen rachamim. Da ist Barmherzigkeit oder
Erbarmen tatsächlich eine Wesensäußerung Gottes, die seinem Innersten entspringt,
die eine Geborgenheit schenken will, wie sie ein ungeborenes Kind im Mutterleib
erfährt.

Das Bild, das ich ausgewählt habe, lässt diese Geborgenheit ahnen. Das Kind ist
umfangen von einer Hülle, wie eben ein Embryo im Mutterleib, aber es ist bereits
eingehüllt in ein weißes Tuch, auf dem das Kreuzeszeichen sichtbar ist. Es ruht auf
einem roten Untergrund, der sich in Orangetöne wandelt und nach oben hin in weiße
Linien auflöst. Weiß – die Farbe Jesu Christi, Orange, die Farbe des Heiligen Geistes,
Rot, die Farbe der Kirche. Gemalt ist das Bild auf einfachem Sackleinen. Gebrochene
Linien durchziehen das Bild, doch die weißen werden zu einer Art gotischem
Spitzbogen zusammengeführt.

Ich denke, damit hat die Künstlerin Stefanie Bahlinger versucht, das Wesen der
Göttlichen Barmherzigkeit anzudeuten: sie ist von einer ungeheuren Spannung erfüllt:
Zerrissene Linien, einfachstes Leinen auf der einen Seite, tiefste Geborgenheit auf
der anderen Seite. In diesem Kind begegnen wir ihr, in diesem Kind in der Krippe, das
wir an Weihnachten gefeiert haben. Es kommt und erlebt die zerrissenen Linien
unserer Welt. Es erlebt die äußere und innere Armut unserer Welt und ist zugleich
zutiefst geborgen in der göttlichen Welt und schenkt Geborgenheit.
Im Kreuz liegt beides: das ungeschönte Leid und seine Heilung. Und so kann das Kind
helfen, dass die zerrissenen Linien sich zusammenfinden in Bögen, die nach oben
streben.

Barmherzigkeit Gottes: sie will für jeden von uns erfahrbar werden in der Begegnung
mit ihm. Sie will uns umhüllen mit einer Geborgenheit, aus der uns nichts reißen kann,
kein persönliches schweres Geschick, kein Coronavirus, nicht all das in der Welt, das
uns mit tiefer Sorge erfüllen mag. Sie will uns die Augen und die Herzen öffnen, wenn
wir vom Kind in der Krippe kommen, Spuren dieser Barmherzigkeit auch in unserem
Alltag wahrzunehmen.

Aber sie will uns auch mit neuem Mut erfüllen: "seid barmherzig", so beginnt ja die
Jahreslosung. Sie will uns barmherzig werden lassen, auch mit uns selbst. Aber dann
will sie uns auch aufbrechen lassen zum Menschen neben mir, zur Welt in der ich lebe.
Sie will uns mit Phantasie und Tatkraft erfüllen, die Not anderer zu sehen. Und dieses
eigene "Barmherzig-Werden" , das kann nur auf dem Boden sich entfalten, der
genährt ist von der Barmherzigkeit Gottes.

Ich glaube, in diesem vergangenen letzten schweren Jahr haben wir bereits viel
erfahren von solch tätiger Barmherzigkeit. Wie mit so viel Phantasie überlegt wurde,
wie denen geholfen werden konnte, die plötzlich auf Hilfe angewiesen waren. Wie in
vielen Berufen neue Wege des Miteinanders gesucht wurden. Wie Gemeinden mit
großem Einsatz versucht haben, auf bisher noch nie erprobten Wegen zu verkündigen
und Begegnungen untereinander zu ermöglichen - wenn auch meist auf virtuelle Weise.
Wie auch Humor und Fröhlichkeit immer wieder dunklere Stunden erhellt haben – wie
viele unvergessliche Videos sind in dieser Zeit verschickt worden!

Ich glaube, dieses vergangene Jahr hat uns einmal innehalten lassen, dass wir uns
darauf besinnen konnten, was wichtig ist im Leben. Und es hat uns vielleicht spüren
lassen, wie die Barmherzigkeit Gottes in seiner Kirche lebendig sein will, wie sein
Geist uns Freude und Mut schenken will.

So möge Gott uns barmherzig werden lassen in diesem neuen Jahr.
Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2021.

Ganz herzliche Grüße!
Ihre Annelen Ottermann und Karin Kiworr



120 Jahre Deutscher Evangelischer Frauenbund e. V. - eine kleine Skizze

Der Bundesverband des Deutschen Evangelischen Frauenbunds e. V. (DEF) hat zu seinem 120-jährigen Jubiläum nach Hannover vom 18. bis 20. Oktober 2019 eingeladen – und alle kamen.

Tagungsort ist das evangelische Stefansstift mit hellen Räumen und Übernachtungsmöglichkeiten, guter Verpflegung und vielen Orten für Begegnungen außerhalb des Programms.

Am Freitagnachmittag lässt die anberaumte Mitgliederversammlung aktuelle Geschehnisse im Bundesverband und den Ortsverbänden sichtbar werden. Nach dem Verlesen von Grußworten: Berichte mit Aussprache. Dietlinde Kunad (Bundesvorsitzende), Irmtraud Pütter (Demografischer Wandel), Hannelore Herbel (AEH Hauswirtschaft), Sigrid Lewe-Esch (AEH Verbraucherschutz) und Luitgard Herrmann (Medien) berichten und diskutieren höchst engagiert mit allen Mitgliedern. Weiterer zentraler Punkt ist die vorgelegte Satzungsänderung des Bundesverbands zu § 2. Von besonderem Interesse ist der Tagesordnungspunkt Blitzlichter aus dem Landes-Vorstandsrat sowie den Ortsverbänden und Anschlussvereinen.

Die umfangreiche Tagesordnung verlangt gemeinsames zügiges Arbeiten – aber wer wäre nicht für thematisch interessante und informative, anregende und humorvolle Beiträge aufgeschlossen. So beschließen alle Teilnehmerinnen den Nachmittag mit einem Brainstorming zu den Themen Die Zukunft beginnt jetzt... Wie kann Verbandsarbeit gelingen? und Der DEF – Das sind wir! Mut zur Übernahme von Verantwortung sowie einer Andacht in der Kirche des Stefansstifts.

Der Samstag läutet den eigentlichen Festakt ein und beginnt mit einem eindrucksvollen musikalisch umrahmten Dankgottesdienst in der Marktkirche von Hannover – gestaltet von der Bundesvorsitzenden Pastorin Hella Mahler und der Superintendentin Dr. Petra Bahr. Auch der anschließende Festempfang im alten Rathaus beeindruckt durch viele Grußworte, denen leider weitgehend stehend zuzuhören ist. So etwa imponiert neben einer Vertreterin des Bundesfamilienministeriums Franz Müntefering mit seiner kleinen zupackenden Rede.

An diesen Vormittag schließt sich der Festakt im Stefansstift an. Zunächst fordern zwei bemerkenswerte Vorträge die Aufmerksamkeit der Zuhörenden. Cornelia Wenzel referiert über die Archivierung des Aktenbestands des Bundesverbands im Archiv der deutschen Frauenbewegung, Kassel. Frauen gestalten ein Archiv – Einblicke in 120 Jahre Deutscher Evangelischer Frauenbund. Dank der Weitsicht der jeweiligen Bundesvorsitzenden und eines überraschenderweise existierenden Akten- bzw. Archivierungsplans sind 120 Jahre DEF transparent und gut nachvollziehbar. So seien z. B. alte Briefe und Urkunden, Festschriften, Bau- und Finanzpläne einzusehen und jederzeit zu besichtigen.

Aber Archivarbeit ist das eine, Leitungsaufgabe das andere. Aufschlussreich und wissenswert ist daher im nächsten Vortrag die Sichtbarmachung aller DEF-Vorsitzenden. Ulrike Bösch, Inge Gehlert, Halgard Kuhn und Dietlinde Kunad lassen diese Frauen sprechen: Frauen übernehmen Verantwortung – die DEF-Vorsitzenden im Wandel der Zeit. Mit Akribie und Emphase vorgetragen werden die Persönlichkeiten dieser Frauen nahezu lebendig. Vieles von dem, was bewegt wurde, wird angerissen und deren Arbeitsumfang lässt sich erahnen.

Vor dem festlichen Abendessen am Samstag gibt die aufschlussreiche Diskussion Frauen gestalten Demokratie – Demokratie beginnt am Küchentisch zwischen der Bundesvorsitzenden und Lisi Maier (Bundesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugendsozialarbeit), Lydia Klein (Verbraucherzentrale Bayern) und Katharina Landgraf (MdB) Einblicke in Leben und Werdegang dieser Frauen in Ost und West. Sie berichten über Herausforderungen, aber auch über ein sie erfüllendes und beglückendes Familien- und Verbandsleben.

Der Sonntagvormittag und ein Worldcafé harmonieren wunderbar - und so bildet der ständig wechselnde intensive Austausch zum Thema Frauen setzen sich ein... den Abschluss der gelungenen Jubiläumstagung im Jahr 2019.

Elke Grün, DEF Mainz

Weitere Informationen zu dieser Veranstaltung finden Sie unter:

http://www.def-bundesverband.de/ueber-uns/wer-sind-wir/



EHRUNGEN UND AUSZEICHNUNGEN DER PATIENTENBÜCHEREI

Nominierung Deutscher Engagementpreis















BRÜCKENPREIS 2016, verliehen von der Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz; zugesprochen für bürgerschaftliches Engagement. Eines der Kriterien für die auf uns gefallene Wahl war die "Nachhaltigkeit", d. h. die Tatsache, dass durch die ehrenamtliche Arbeit eines relativ kleinen Vereins 35 Jahre lang vielfältige Brücken gebaut worden sind.



Fotos Brückenpreis: Peter Pulkowski



Patientenbücherei an der Universitätsmedizin,
Langenbeckstr. 1, Bau 206, 55131 Mainz, Tel.: 17-2679
Homepage: www.patientenbuecherei.de E-Mail: patientenbuecherei@unimedizin-mainz.de













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